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Das wohlige Klangbad eines Spitzen-Kammerchors

Hugo-Distler-Ensemble aus Lüneburg gestaltet vor großem Publikum das erste Konzert in der frisch gestrichenen Großen Kirche

BEREMERHAVEN. Irgendwo zwischen „olivgrün“ und „güldengrün“, wie Pastor Dirk Scheider in seiner Begrüßung anmerkte, präsentiert sich die frisch gestrichene Große Kirche. Doch die riesige Besucherschar war keineswegs nur - frei nach Goethe - „zum Schauen bestellt“. Kantor David Schollmeyer hatte zum offiziellen Empfang nach der Renovierung auch seinen „persönlichen Lieblingskammerchor“ eingeladen. Beim Hugo-Distler-Emsemble aus Lüneburg lohnte es sich, die Ohren zu spitzen.

Chorleiter Erik Matz legt hörbar besonderen Wert auf einen homogenen, ausgewogenen Grundton. Seine 16 Sängerinnen und 9 Sänger pflegen eine warme, harmonisch runde, wohltönend in sich ruhende Klanglichkeit - ein Vollbad für die Gehörnerven.

Die Herren meist in der Mitte, die Damen locker an den Seiten: In dieser Aufstellung ging es durch europäische Psalmvertonungen aus vier Jahrhunderten. Gleich im „Psallite Domino“ des Shakespeare-Zeitgenossen William Byrd und in der Mottette „Wie lieblich sind deine Wohhnungen“ des Schütz-Freundes Andreas Hammerschmidt beeindruckten der ruhige Fluss und die schwebende Leichtigkeit dieses A-cappella-Singens.

Klangblöcke getürmt

Nicht anders die Werke der romantischen Epoche: Moritz Hauptmanns „Herr, ich schrei zu dir“ im sanften Mendelssohn-Ton erwies sich als veritable Entdeckung. Und die drei Psalmlieder op. 13 des Liszt-Freundes Peter Cornelius entwickelten einen sanften Sog, wobei die Soprane mit schönen Klangkronen, die Bässe mit markiger Grundierung erfreuten. Dazu passend fügte David Schollmeyer an der Orgel eine Interpretation von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 ein, die mit starker Bassbetonung Klangblöcke auftürmte und das tänzerische Element zurücknahm.

lm Verlauf des 90-minütigen Programms erwies sich allerdings die Auswahl von überwiegend homophonen Werken - also Stücken, in denen die Stimmen meist gleichmäßig parallel und selten gegeneinander geführt werden - als etwas einseitig. Zumal der Verzicht auf knackige Artikulation auch stilistische Unterschiede einebnete: Das 20. Jahrhundert mit Benjamin Britten und Ferenc Farkas schien da von der Renaissance nicht allzu weit entfemt.

Immerhin stachen einige Stücke durch besondere Originalität heraus. Felix Mendelssohns dramatische Motette „Warum toben die Heiden“ und das in vielerlei Klangschattierung durch alle Stimmen huschende Wort „Jubilate“ beim 1939 geborenen Dänen John Høybye erinnerten daran, dass Psalmverse nicht nur liturgische Hymnen, sondern auch sehr intensive Zwiesprachen mit Gott sein können.

Besonders markant geriet (trotz leichter Schwächen bei lntonation und Reaktionsschnelligkeit) die virtuose Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Hugo Distler, in der die Stimmen wie ein rasantes Glockengeläut ineinandergreifen. Ebenso reizvoll die Volkslied-Zugaben aus Schweden und Deutschland („Kein schöner Land“). Der Beifall für diesen hochrangigen Abend währte lang.

Wer mag, kann das Hugo-Distler-Ensemble am Sonntag um 18 Uhr im Hamburger „Michel“ noch einmal hören.

(Sebastian Loskant, Nordseezeitung Bremerhaven, 25.07.2015)


29.07.2015, Winsener Anzeiger

Lobpreisung für die musikalischen Lobpreisungen

Hugo-Distler-Ensemble beeindruckte das Salzhäuser Publikum - Chor soll wiederkommen

se Salzhausen. Einen weiten Bogen von der Klassik über die Romantik bis zur Gegenwart spannte jetzt das Hugo-Disller-Ensemble in der St.-]ohannis-Kirche in Salzhausen. Verbindendes Element waren dabei europäische Psalmvertonungen aus vier Jahrhunderten. Das „Jubilate-Deo“-Programm begeisterte die zahlreichen Zuschauer. Sie dankten mit langanhaltendem Applaus für diesen musikalischen Genuss.

Unter der Leitung von Erik Matz setzt der Chor mit dem „Psallite Domino“ des englischen Komponisten William Byrd ein erstes Ausrufezeichen. Das fachkundige Publikum zeigte sich beeindruckt von der großen Homogenität und Textsicherheit, mit der das Ensemble dieses Werk und auch das folgende Barockstück „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Andreas Hammerschınidt interpretierte. „Singet dem Herren ein neues Lied“ von Hugo Distler zeigte nicht nur die Rationalität und Klarheit auf, die die Werke dieses Komponisten auszeichnen. Das Ensemble wusste auch mit geschliffenen Harmonien zu überzeugen. Ausdrucksstark folgten drei Werke des im 19. Jahrhunderts lebenden Komponisten Peter Cornelius und des Ungam Ferenc Farkas, ehe Erik Matz auf der Becker-Orgel mit einem Stück von Johann Sebastian Bach für ein Zwischenspiel sorgte.

„Warum toben die Heiden“ von Felix Mendelssohn und ein sechsstimmiger Chorsatz des 1939 geborenen John Hoybye sollten das Konzert eigentlich beenden. Dabei hatte das Ensemble die Rechnung jedoch ohne das fachkundige Publikum gemacht. Mit großem Applaus forderten und erhielten sie zwei Zugaben, bei denen das Ensemble noch einmal sein ganzes Können unter Beweis stellte. Mit zwei Volksliedern, dem schwedischen „Uti var Hage“ und „Kein schöner Land“ eroberte das Ensemble sich endgültig einen Platz im
Herzen der Salzhäuser Musikfreunde. Sie verabschiedeten die Sänger mit langanhaltendem Applaus und dem Wunsch, der Chor möge bald wiederkommen.


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